La Flor de Cano Zigarren – die faszinierende Geschichte einer fast vergessenen Habanos-Marke
La Flor de Cano Zigarren waren lange Zeit eine auf dem spanischen, aber vor allem englischen Markt bedeutende Marke. In Deutschland war und ist sie bis heute nur wenig bekannt.
Was ist Origin Of Cigar?
Inhaltsverzeichnis

Der Zigarrenring der La Flor de Cano mit dem charakteristischen J und C für Juan und Cano.
Auf den Punkt gebracht
La Flor de Cano zählt zu den traditionsreichen, heute jedoch weitgehend vergessenen Habanos-Marken. Nach ersten Wurzeln im Jahr 1884 stellte sich der eigentliche Erfolg in den 1940er-Jahren unter Juan Cano Sainz ein. Die Marke wurde vor allem durch ihre hochwertigen Maschinenzigarren einer größeren Zielgruppe bekannt und in Spanien und Großbritannien populär.

Die frühere Vista der Marke La Flor de Cano, relativ modern und schlicht gehalten. (Quelle: Min Ron Nee: “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS”, Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826)
Was sind La Flor de Cano Zigarren?
La Flor de Cano Zigarren gehörten zeitweise zu den erfolgreichsten kubanischen Zigarrenmarken auf dem europäischen Markt.
Kaum eine andere Habanos-Marke verdankt ihre Bekanntheit so sehr der industriellen Fertigung wie La Flor de Cano. Ihr Aufstieg zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung moderne Produktionsmethoden, unternehmerischer Weitblick und internationale Handelsbeziehungen bereits vor über 80 Jahren für den Erfolg einer Zigarrenmarke haben konnten.
Vor allem in Spanien und Großbritannien (durch die Belieferung des Militärs während des Zweiten Weltkrieges) gehört sie dem Namen nach auch heute noch zu den bekannten kubanischen Zigarren, in anderen Ländern ist sie weniger Aficionados ein Begriff.

Die Marke La Flor de Cano hat vor allem in Großbritannien einen Namen: Während des Zweiten Weltkrieges bezog das Militär große Mengen dieser Zigarren. Ein Ruf hat sich erhalten. (Quelle: Min Ron Nee: “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS”, Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826)
La Flor de Cano heute
Viele Jahre hinweg sorgte die Bekanntheit des Namens La Flor de Cano für eine große Nachfrage. Neben maschinengefertigten Zigarren gab es nach der Revolution ab 1960 eine stattliche Anzahl handgefertigter Formate, die jedoch nach und nach eingestellt wurden.
Das heutige Sortiment umfasst lediglich zwei Zigarren, die als handgefertigte Shortfiller produziert werden.

Das Portfolio der Marke La Flor de Cano bestand einstmals sowohl aus hand- wie auch maschinengefertigten Zigarren. (Quelle: Min Ron Nee: “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS”, Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826)
Fakten zu La Flor de Cano Zigarren
Markengründung: erstmalig 1884, Neubeginn unter Juan Cano Sainz um 1932
Herkunft: Havanna, Kuba
Bekannt für: erst hand-, dann auch maschinengefertigte Premiumzigarren und später handgefertigte Shortfiller
Größte Absatzmärkte: Spanien und Großbritannien
Besonderheit: Enormer Erfolg durch moderne Maschinenproduktion und Großaufträge des britischen Militärs im Zweiten Weltkrieg
Heute: Nur noch zwei reguläre Formate im Habanos-Portfolio

Ein Logo der Marke La Flor de Cano, wie es auch heute noch verwendet wird. (Quelle: Enzo A. Infante: “Havana Cigars 1817-1960”, Neptune City 1997)
Die Anfänge von La Flor de Cano
Die Geschichte beginnt im Jahr 1884. Damals registrierten die Brüder Tomás und José Cano gemeinsam mit einem vermutlich finanziell beteiligten Partner namens Loma die Firma „Cano, Loma & Co.“. Über die beiden Brüder ist kaum etwas überliefert. Weder ihre Herkunft noch ihr beruflicher Werdegang sind bekannt. Sie waren lange als Lagerhausbesitzer registriert. Es könnte sein, dass die Zigarrenherstellung nur die lokale Nachfrage bediente.
Die Manufaktur befand sich in der Calle Rayo Nr. 66 im heutigen Stadtteil Centro Habana – nur wenige Schritte vom prachtvollen Palacio Aldama entfernt (Dieses Gebäude wurde wenige Jahre später Sitz der berühmten La-Corona-Manufaktur.). Eine weitere Fabrikationsadresse wird häufig genannt: die Calle Manrique No.615. Ob allerdings wirklich schon damals dort gefertigt wurde, ist schwer zu sagen.

Manufakturen der Marke Flor de Cano 1/6: Die erste Adresse der Marke La Flor de Cano auf der Calle Rayo No.66 unter der Führung der Gebrüder Cano; ab etwa 1884. Bis wann die Zigarren dort gefertigt wurden, ist unklar.
Der eigentliche Aufstieg in den 1930er Jahren
Von La Flor da Cano Zigarren hört man dann plötzlich in den 1930er Jahren. Ob zwischen dieser frühen Marke und dem späteren Unternehmen überhaupt eine, und wenn ja: eine direkte, familiäre oder wirtschaftliche Verbindung bestand, lässt sich heute nicht mehr nachweisen. Einige Quellen gehen davon aus.
1932 taucht der Name La Flor de Cano gesichert wieder auf. Im Mittelpunkt steht nun Juan Cano Sainz, der die Marke zu großer Bedeutung führte.
Juan Cano beginnt wahrscheinlich Ende der 1920er- oder Anfang der 1930er-Jahre mit der Herstellung von Zigarren– zunächst in einem kleinen Chinchal, einer einfachen Zigarrenwerkstatt. Es sind handgefertigte Zigarren.

Manufakturen der Marke Flor de Cano 2/6: Auf der Calle Manrique (Stadtteil Centro Habana) befand sich eine Manufaktur auf jeden Fall ab den 1930er Jahren.
Arbeiten und Wohnen unter einem Dach
Nach den Erinnerungen seines Enkels wohnte Juan Cano Sainz gemeinsam mit seiner Frau Consuelo direkt über der Werkstatt in der Calle Bernaza Nr. 39 in der Altstadt Havannas. Dort wurden auch die drei Kinder Silvia, Consuelito und Ernesto geboren.
Der Erfolg stellte sich überraschend schnell ein. Schon bald reichte ein einzelner Torcedor nicht mehr aus, um die Nachfrage zu bedienen. Ein weiterer Zigarrenroller wurde eingestellt, während Juans Brüder Alfredo und Aurelio den Familienbetrieb unterstützten. Alfredo kümmerte sich um die Buchführung, Aurelio beschaffte hochwertigen Tabak zu günstigen Preisen.
1932 gründete Juan Cano offiziell sein eigenes Unternehmen und gab der Marke den Namen La Flor de Cano. Fabrikationsadresse

Manufakturen der Marke Flor de Cano 3/6: Juan Cano Sainz hatte sowohl sein Wohnhaus mit dem ersten Chinchal wie auch später eine Manufaktur auf der Calle Bernaza in Havannas Altstadt.
Eine moderne Zigarrenfabrik entsteht
1939 trat Juans Sohn Ernesto J. Cano im Alter von 16 Jahren in den Familienbetrieb ein. Gleichzeitig schieden Alfredo und Aurelio aus dem Unternehmen aus. Die Produktion wurde erweitert und eine weitere Manufaktur in der Calle San José No.45 (heute San Martin) eingerichtet.
Im Handelsregister des Jahres 1940 erscheint La Flor de Cano offiziell als eingetragene Marke. Neben der Stammmarke produzierte das Unternehmen auch die Marken Caracol, Trocadero und La Rica Hoja. Diese Marken hatte Juan Cano Sainz hinzugekauft.
Bereits kurze Zeit später mussten erneut größere Produktionsräume bezogen werden. Die moderne Fabrik in der Calle Figuras No. 109 verfügte über mehr als 30 Maschinen und beschäftigte über 300 Mitarbeiter. Täglich verließen mehr als 5.000 Zigarren die Produktionslinien – für damalige Verhältnisse eine beeindruckende Leistung.

Manufakturen der Marke Flor de Cano 4/6: Größere Produktionskapazitäten konnten auf der Calle Figuras No.109 ab den 1940er Jahren geschaffen werden.
Warum La Flor de Cano in Spanien und England so erfolgreich war
Der wirtschaftliche Erfolg beruhte vor allem auf den maschinell gefertigten Zigarren. Während handgerollte Premiumzigarren vergleichsweise teuer waren, konnten Maschinenzigarren in großen Stückzahlen hergestellt und deutlich günstiger angeboten werden.
Besonders in Spanien entwickelte sich La Flor de Cano zu einer der erfolgreichsten Marken. Für das Jahr 1942 wird berichtet, dass La Flor de Cano gemeinsam mit Partagás und H. Upmann zu den drei meistverkauften Havanna-Marken des Landes gehörte. Nach Spanien gab es gute Handelsbeziehungen.
Auch in Großbritannien erfreuten sich die Zigarren großer Beliebtheit. Während des Zweiten Weltkriegs kaufte das britische Militär erhebliche Mengen für die Truppenversorgung.
Eine häufig erzählte Anekdote verdeutlicht den geschäftlichen Instinkt von Juan Cano. Während amerikanische Einkäufer für Partagás-Zigarren 70 Dollar je 1.000 Stück bezahlt und für Flor de Cano lediglich 50 Dollar angeboten haben sollen, lehnte Juan Cano dieses Angebot ab. Als wenig später ein Vertreter des britischen Militärs erschien, verlangte er 90 Dollar für dieselbe Menge. Der britische Käufer akzeptierte den Preis. Diese Geschäfte trugen wesentlich dazu bei, den Bekanntheitsgrad der Marke im Vereinigten Königreich zu steigern.

Eine Kiste der Marke La Flor de Cano wahrscheinlich aus den 1940er Jahren. (Quelle: Min Ron Nee: “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS”, Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826)
„Juan Cano y Hijo“
Nach einem Aufenthalt in Spanien und einem Studium an der Universität von Havanna wurde Ernesto Cano 1947 offiziell Teilhaber des Unternehmens. Die Firma firmierte nun unter dem Namen „Juan Cano y Hijo“ (Juan Cano und Sohn).
Die neue Fabrik auf der Calle San Gabriel No. 301 gehörte zu den modernsten Zigarrenbetrieben ihrer Zeit. Mehr als 30 Maschinen produzierten täglich Tausende Zigarren und machten das Unternehmen zu einem bedeutenden Arbeitgeber der kubanischen Zigarrenindustrie.

Manufakturen der Marke Flor de Cano 5/6: Auf der Calle San Gabriel No.301 (Stadtteil Vibora, etwas weiter draußen) wurde eine weitere große Produktionsstätte eingerichtet.
Das Ende eines Familienunternehmens
Mit dem Tod von Juan Cano Sainz im Jahr 1955 änderte sich der Firmenname in „Hijos de J. Cano y Co.“ (Söhne von J.Cano und Firma). Ernesto Cano führte das Unternehmen zunächst weiter.
Nach der Kubanischen Revolution wurde der Betrieb verstaatlicht. Ernesto Cano schlug ein Angebot Fidel Castros, weiter in der Zigarrenindustrie zu arbeiten, aus und verließ gemeinsam mit seiner Frau María und den drei Kindern Kuba und begann im Exil ein neues Leben.
Ende der 1960er-Jahre wurde die Produktion von La Flor de Cano in die Fabrik „El Rey del Mundo“ verlegt, die sich damals auf der Calle Belascoain No.852 befand. Einige Formate, meist handgefertigt, wurden in den folgenden Jahren weiter produziert, nach und nach dann jedoch eingestellt.

Manufakturen der Marke Flor de Cano 6/6: Nach der Revolution, in den späteren 1960er Jahren, wurde die Produktion der Zigarren in die damalige „El Rey del Mundo-Fabrik“ auf der Calle Belascoain No. 852 verlegt (spätere Romeo-Fabrik, heute H.Upmann).
Hier finden Sie die La Flor de Cano Manufaktur
Falls die Live-Mappe nicht funktioniert, klicken Sie bitte hier zur La Flor de Cano Manufaktur.
Bildnachweis
- Claudia Puszkar
- Habanos S.A.
- Min Ron Nee: “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS”; Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826
- Enzo A. Infante: “Havana Cigars 1817-1960” Neptune City 1997
Kuratiert für Sie
Externe Webseite: Erleben Sie den Habanos-Club in Deutschland
Bei Origin Of Cigar: THE PLEASURE LETTER von Origin Of Cigar: Eine kuratierte eMail, der die feinen Genüsse der kubanischen Zigarrenkultur zelebriert.
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Quellenangaben
- Min Ron Nee:
- “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS” / Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826
- Instituto de Investigaciones del Tabaco Kuba:
- „Die Welt der Habanos“ / Havanna 2013, ISBN: 978-959-7212-08-9
- Adriano Martínez Rius:
- “Habano the King” / Barcelona 1998, ISBN: 84-930387-1-7
- Adriano Martinez Rius:
- “The Great Habano Factories” / Barcelona 2005, ISBN: 84-609-4024-1
- Orlando Quiroga:
- “El Habano al rojo vivo” / Havanna 2002
- Enzo A. Infante:
- “Havana Cigars 1817-1960” / Neptune City 1997
- Eumelio Espino:
- “El Habano – De la semilla al puro en 539 pasos” / Madrid 2019, ISBN: 978-84-09-07091-6
- Alexander Groom:
- “El Habano Moderno” / Helios House Press 2022, ISBN: 978-911683-05-6
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