Henry Clay Geschichte: faszinierend von Kuba 1850 bis zur Rückkehr in den 1980ern
Henry Clay Geschichte: Eine Marke, die einst zu den ganz großen Namen zählte, deren Wurzeln um 1850 in Kuba liegen – und die den Sprung in die Gegenwart geschafft hat, allerdings ohne Kuba. Genau dieser Weg macht sie so interessant: Erfolg, Fabriken, Besitzerwechsel, internationale Konzerne und am Ende ein Comeback unter völlig anderen Vorzeichen.
Inhaltsverzeichnis

Das Logo der Marke Henry Clay, als diese im Besitz von Julian Álvarez war. (Quelle: Adriano Martinez Rius: “The Great Habano Factories”, Barcelona 2005, ISBN: 84-609-4024-1)
Wer war Henry Clay?
Henry Clay war „nur“ der Namensgeber der Marke: ein amerikanischer Politiker (Mitglied des Repräsentantenhauses, Senator und Außenminister). Er lebte von 1777 bis 1852. Anwalt im Beruf, erwarb er sich aufgrund seiner Fähigkeiten schnell den Ruf eines brillanten Redners und Vermittlers – zwei Fähigkeiten, die in der Politik unersetzlich sind. Seine Zeitgenossen schätzten ihn sehr; er galt damals als einer der mächtigsten Männer der Welt. Er hält übrigens bis heute einen Rekord: Drei Mal trat er zur Präsidentschaftswahl in den USA an, drei Mal gewann allerdings der Gegenkandidat.

Er hat der Marke seinen Namen gegeben: Henry Clay, amerikanischer Politiker und zu seiner Zeit überaus bedeutend. (Quelle: Wikipedia)
Wie ein US-Politiker zur kubanischen Zigarrenmarke wurde
Doch was verbindet einen der bedeutendsten amerikanischen Politiker seiner Zeit mit einer ursprünglich kubanischen Zigarrenmarke? In der Henry Clay Geschichte führt die Spur zu Juan Antonio Bances. Er fragte über einen Mittelsmann beim damals weltweit bekannten Henry Clay an, ob er eine Zigarrenmarke nach ihm benennen dürfe. Henry Clay stimmte zu – und es hat sich gelohnt. So kennen den Namen Henry Clay auch heute noch viele Menschen.
Und genau darum lohnt sich die Henry Clay Geschichte bis heute: Sie beginnt mit einem weltbekannten Namen, wird aber von kubanischen Unternehmern, Fabrikadressen und später von internationalen Gesellschaften geprägt.

Eine Vista der Marke Henry Clay aus der Zeit nach 1883 (Quelle: Adriano Martinez Rius: “The Great Habano Factories”, Barcelona 2005, ISBN: 84-609-4024-1)
Zwei Gründer, zwei Rollen: Bances und Álvarez Granda
An der Seite von Bances stand Julián Álvarez Granda. Beide sind bis heute bedeutende Persönlichkeiten in der kubanischen Zigarrengeschichte. Höchste Qualität, Leidenschaft für den Tabak und finanzielles Geschick trieben diese beiden Männer an.
Doch beginnen wir am Anfang der Henry Clay Geschichte: Um 1850 eröffneten Juan Antonio Bances und Julian Álvarez Granda eine Zigarrenfabrik und nannten die Zigarrenmarke Henry Clay.
Es ging ihnen, wie sie selbst sagten, um den Anbau, Erwerb, die Herstellung und den Verkauf von Tabak. Markenzigarren sollten in Länder verschiedener Kontinente exportiert werden. Außerdem wollten sie Möglichkeiten zur Einrichtung neuer Fabriken, Werkstätten und Lagerhäuser schaffen.

Eine Fabrik, in der die Zigarren der Marke Henry Clay hergestellt wurden (3/3): Eine historische Zeichnung der Fabrik auf der Calzada de Luyano No.100. Die Zeichnung ist nicht ganz korrekt, der runde Giebel mit der Aufschrift befand sich weiter rechts. (Quelle: Gustav Bock: “The Truth about Havana Cigars”, New York 1904)
Julian Álvarez Granda
Julian Álvarez Granda kann man als Tabakspezialisten bezeichnen. Ursprünglich stammte er aus Asturien. Er war der perfekte Mann für das operative Geschäft.

Julian Álvarez Granda: Gemeinsam mit Juan Antonio Bances gründete er die Marke Henry Clay (Quelle: Adriano Martinez Rius: “The Great Habano Factories”, Barcelona 2005, ISBN: 84-609-4024-1)
Juan Antonio Bances
Juan Antonio Bances war Banker und Finanzier, erster Geschäftsführer der Firmen der Spanischen Regierung. Ihm oblag der Einkauf von Tabak für die Zigarrenmanufaktur in Sevilla. Durch seine Verbindungen wurde er zum ersten Finanzier in der Zigarrenwelt Kubas: Egal, ob jemand ein Darlehen für eine Fabrik, Marke oder Plantage brauchte, wandte er sich an ihn.
Bances ist auch derjenige, der essentiell mit der Marke Partagás verbunden ist: Nach dem Tod von Jaime Partagás 1869 übernahm zunächst sein Sohn José die Geschäfte. Bances wurde später, in den 1880er Jahren, Besitzer der Marke Partagás.

Juan Antonio Bances: Bankier, Finanzier, fest im Tabakgeschäft verwurzelt, war der Mitbegründer der Marke Henry Clay um 1850 und später, um 1880, Besitzer der Marke Partagás. (Quelle: Amir Saarony und Mitwirkende: “Partagás – Das Buch”, ISBN: 978 0 9879290 1 3)
Die ersten Adressen der Marke
Zurück zur Marke Henry Clay: Die erste Fabrik befand sich auf der Calle Aguacate No. 98. Eine zweite Fabrik gab es auf der Calle San Nicolas No. 128. Man fertigte Zigarren der Marken Henry Clay und Flor de Henry Clay (gegründet ca. 1859).
Wer die Henry Clay Geschichte wirklich greifen will, braucht genau solche Details: Straßen, Hausnummern, zweite Standorte – nicht als Dekoration, sondern als Koordinaten einer Marke, die in Havanna real aufgebaut wurde.

Eine Fabrik, in der die Zigarren der Marke Henry Clay hergestellt wurden (1/3): in einem dieser Häuser auf der Calle Aguacate No.98 fertigte man ab 1850 die ersten Zigarren der Marke Henry Clay.
1875 bis 1883: Verkauf, Neubau, „La Loma“
Im Jahr 1875 verkaufte Bances alle seine Anteile an Julián Álvarez. Dann, im Jahre 1883, wurde eine vollkommen neue Fabrik fertiggestellt: die Manufaktur „Henry Clay“ auf der Calzada de Luyano No. 100.
Es ist ein großes, beeindruckendes Gebäude. Die Arbeiter nannten die Fabrik La Loma. Loma ist das spanische Wort für Hügel; und tatsächlich befindet sich das Haus am höchsten Punkt der Calzada de Luyano, direkt auf dem Hügel. Heute werden in diesem Gebäude Zigarillos im Auftrag von Brascuba hergestellt.

Eine Fabrik, in der die Zigarren der Marke Henry Clay hergestellt wurden (3/3): Hier ein historisches Foto der Manufaktur auf der Calzada de Luyano No.100. (Quelle: Gustav Bock: “The Truth about Havana Cigars”, New York 1904)
Ein Markt in Bewegung: Unabhängigkeitskampf und Besitzerwechsel
Die Lage in Kuba war vor und um die Jahrhundertwende sehr angespannt, der, auch blutig geführte, Kampf um Unabhängigkeit ließ viele Menschen, darunter auch Fabrikbesitzer, das Land verlassen. Dadurch war viel Bewegung auf dem Markt, Fabriken und Marken standen zum Verkauf.

Eine Fabrik, in der die Zigarren der Marke Henry Clay hergestellt wurden (3/3): Die Manufaktur auf der Calzada de Luyano No.100.
1887: Gustav Bock und die „Henry Clay and Bock Ltd.“
Im Jahr 1887 begann dann die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gustav Bock. Julián Álvarez Granda und Gustav Bock gründeten die „Henry Clay and Bock Ltd.“ Gustav Bock nahm es in die Hand, weitere Marken aufzukaufen, dies mithilfe britischen Kapitals.
Diese Entwicklung setzte sich fort. 1889 verkaufte die „Alvarez Lopez y Cia.“, Inhaber der La Corona, Anteile an die „Henry Clay and Bock Ltd.“ Damit begann die Zeit der Zusammenarbeit von Gustav Bock und Segundo Alvarez, einem ebenso versierten Mann im Tabakbusiness, im operativen Geschäft.

Gustav Bock: Er gehörte zu den Persönlichkeiten in der kubanischen Zigarrengeschichte, die diese maßgeblich mitgestaltet haben. (Quelle: Enzo A. Infante: “Havana Cigars 1817-1960”, Neptune City 1997)
1898 bis 1902: Britische Firma, dann American Tobacco
Die „Henry Clay and Bock Ltd.“ wurde dann 1898 an die britische Firma „Havana Cigar and Tobacco Company“ verkauft. Später, 1899, transferierte diese all ihre Anteile an die „American Tobacco Co.“
In dieser Zeit war das operative Management der Marken und Fabriken immer noch in der Hand der „Henry Clay and Bock Ltd.“ Erst 1902 übernahm die „American Tobacco Co.“ auch das operative Management mit der Gründung einer eigenen Niederlassung in Havanna, der „Havana Commercial Co.“

Segundo Álvarez: Kaum einer kannte sich so gut in der Zigarrenlandschaft Havannas aus. (Quelle: Enzo A. Infante: “Havana Cigars 1817-1960”, Neptune City 1997)
1904: Produktion im „Eisenpalast“ und offene Fragen
Die Herstellung vieler Zigarrenmarken fand ab 1904 im neu gebauten Eisenpalast auf der Calle Agramonte No. 10 statt. Wie lange La Loma, die Manufaktur auf der Calzada de Luyano in Betrieb war, ist nicht bekannt.
Sowohl Segundo Alvarez als auch Gustav Bock waren zu diesem Zeitpunkt schon altgediente Herren. Gustav Bock starb 1910. Segundo Alvarez führte sogar noch eine kleine Manufaktur auf der Calle Lealtad No. 10 mit der Marke Lord Beaconsfield, starb aber auch Anfang des Jahrhunderts.

Eine Fabrik, in der die Zigarren der Marke Henry Clay hergestellt wurden (3/3): Dieses Gitter gibt Aufschluss über das Jahr der Erbauung der Manufaktur auf der Calzada de Luyano No.100: 1883.
Revolution, Stille, Comeback: die späte Henry Clay Geschichte
1959 siegte in Kuba die Revolution. Danach wurde es still um die Marke Henry Clay. In Kuba wurden Zigarren dieser Marke offiziell nicht mehr hergestellt.
In den 1980er Jahren kehrte der Name Henry Clay als Marke zurück, damals im Besitz von «Consolidated Cigars». Unter der Führung von „Altadis Consolidated Cigars” wurde die Marke mit verschiedenen Linien neu aufgebaut. Die Zigarren werden heute in den Tabacalera-Fabriken gefertigt, allerdings nicht mit kubanischem Tabak.
Damit endet die Henry Clay Geschichte nicht, sondern wechselt den Rahmen: Der Name bleibt, die Herkunft ist eine andere.

Eine Fabrik, in der die Zigarren der Marke Henry Clay hergestellt wurden (3/3): Ein Türpfosten im Inneren der Fabrik auf der Calzada de Luyano No.100 trägt den Namen der Marke: Henry Clay.
Hier finden Sie die Henry Clay Manufaktur
Falls die Live-Mappe nicht funktioniert, klicken Sie bitte hier zur Henry Clay Manufaktur.
Bildnachweis
- Claudia Puszkar
- Die Bildquellen sind bei den Fotos genannt
Kuratiert für Sie
Externe Webseite: Erleben Sie den Habanos-Club in Deutschland
Bei Origin Of Cigar: THE PLEASURE LETTER von Origin Of Cigar: Eine kuratierte eMail, der die feinen Genüsse der kubanischen Zigarrenkultur zelebriert.
Historische Habanos-Manufakturen Dokumentarfilm
In diesem Film werden ihre Geschichten – und ihre wahren Gesichter – kompromisslos enthüllt. Das ist weit mehr als nur ein Dokumentarfilm – er ist eine Reise in die Seele Kubas.

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Quellenangaben
- Min Ron Nee:
- “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS” / Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826
- Orlando Quiroga: “El Habano al rojo vivo”, Havanna 2002
- Instituto de Investigaciones del Tabaco Kuba:
- „Die Welt der Habanos“ / Havanna 2013, ISBN: 978-959-7212-08-9
- Adriano Martínez Rius:
- “Habano the King” / Barcelona 1998, ISBN: 84-930387-1-7
- Adriano Martinez Rius:
- “The Great Habano Factories” / Barcelona 2005, ISBN: 84-609-4024-1
- Orlando Quiroga:
- “El Habano al rojo vivo” / Havanna 2002
- Enzo A. Infante:
- “Havana Cigars 1817-1960” / Neptune City 1997
- Eumelio Espino:
- “El Habano – De la semilla al puro en 539 pasos” / Madrid 2019, ISBN: 978-84-09-07091-6
- Alexander Groom:
- “El Habano Moderno” / Helios House Press 2022, ISBN: 978-911683-05-6
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