Quai d’Orsay Geschichte – Eine französisch-kubanische Liaison mit brillantem Ursprung

Die Quai d’Orsay Geschichte beginnt Anfang der 1970er Jahre mit einer ungewöhnlichen Initiative. Es ist ein aussergwöhnlicher politischer Impuls eines Nicht-Zigarren-Rauchers. Valéry Giscard d’Estaing, damals Finanzminister und später Präsident Frankreichs, wollte eine Zigarre schaffen lassen, die das Prestige seines Landes in die Welt tragen sollte. Leicht sollte sie sein, elegant, kombinierbar mit Champagner und Foie Gras. Bemerkenswert ist, dass Giscard d’Estaing selbst kein Zigarrenraucher war; möglicherweise inspirierte ihn eine Zigarrenkiste mit seinen Initialen, die er geschenkt bekommen hatte.

Das neue Logo der Marke Quai-d'Orsay, vollständig überarbeitet und modernisiert. Quai d’Orsay Geschichte
Das neue Logo der Marke Quai d’Orsay, vollständig überarbeitet und modernisiert.

Ratlosigkeit bei der SEITA

Die Idee gelangte zur SEITA, der französischen Behörde des Tabakmonopols – und dort wusste zunächst niemand, was man damit anfangen sollte. Die Anfrage wanderte von Führungsebene zu Führungsebene, ohne klare Richtung. Schließlich entstand der Plan, unter dem Projektnamen „Connétable“ maschinengefertigte Zigarren in Bordeaux herzustellen. Doch Designer Gilbert Belaudre erkannte, dass dieses Konzept dem Anspruch Frankreichs nicht gerecht werden konnte, und verzögerte das Projekt bewusst. Ein Jahr später war nichts erreicht. Was wurde aus der Quai d’Orsay Geschichte?

Der Schriftzug der Marke Quai-d'Orsay, auch dieser wird als Logo verwendet. Schlicht und trotzdem wunderschön. Quai d’Orsay Geschichte
Der Schriftzug der Marke Quai-d’Orsay, auch dieser wird als Logo verwendet. Schlicht und trotzdem wunderschön.

Ein Wendepunkt: Handarbeit aus Kuba

1971, nach mehreren Pensionierungen, erhielt Belaubre das Projekt erneut – und setzte nun eine entscheidende Neuausrichtung durch. Eine Zigarre, die Frankreich repräsentieren sollte, müsse handgerollt sein und aus dem besten Tabak bestehen, idealerweise aus Kuba. Er überzeugte die SEITA, dass eine maschinell gefertigte Zigarre aus Bordeaux keine Option war. Daraufhin wurde eine Anfrage an Cubatabaco nach Havanna geschickt. Belaubre sandte präzise Spezifikationen, darunter ein Verkostungsformular mit etwa 30 Kriterien. Er schlug Tabake aus San Juan und San Luis vor, die dem Blend trotz leichter Ausrichtung Fülle verleihen sollten.

2017 wurde das Design der Marke Quai-d'Orsay komplett neu aufgelegt. Farblich intensiver, klar, modern. Quai d’Orsay Geschichte
2017 wurde das Design der Marke Quai-d’Orsay komplett neu aufgelegt. Farblich intensiver, klar, modern.

Der Name entsteht – und sorgt für Spannung

Cubatabaco antwortete zwei Monate später, es folgte intensiver Schriftverkehr. Die Kubaner verlangten die Markenrechte, während Frankreich die exklusive Distribution erhielt. Ein fairer Tausch, da die SEITA keine Alternativen hatte. Belaubre wollte die Marke „Quai d’Orsay“ nennen – nach der berühmten Pariser Straße, an der die SEITA in der Nummer 53 ihren Sitz hatte. Doch im französischen Sprachgebrauch steht dieser Name eigentlich für das Außenministerium. Belaubre befürchtete, der Name könne abgelehnt werden. Seine Anfrage dorthin wurde jedoch verzögert zugestellt; als das Ministerium davon erfuhr, war „Quai d’Orsay“ bereits offiziell registriert.

Ein Namensschild der Straße in Paris: Quai-d'Orsay; eine der besten Adressen von Paris, ist auch ein perfekter Name für eine Zigarrenmarke. Quai d’Orsay Geschichte
Ein Namensschild der Straße in Paris: Quai-d’Orsay; eine der besten Adressen von Paris, ist auch ein perfekter Name für eine Zigarrenmarke.

Zwölf Prototypen und ein ungewöhnliches Detail in der Quai d’Orsay Geschichte

Die Kubaner entwickelten zwölf Muster, von denen fünf Formate ausgewählt wurden: darunter die voluminöse Imperiales, die lange Panetella und drei 42er-Formate mit hellen Deckblättern – damals eine Seltenheit. Die Zigarren wurden in 25er-Kisten angeboten, ausgestattet mit einem kleinen Terrakotta- oder Kalksteinelement, das als Mini-Humidor diente.

Fünf Formate gehörten in den 70er Jahren zur Marke Quai-d'Orsay: eher schlanke Formate mit hellen bis sehr hellen Deckblättern. Quai d’Orsay Geschichte
Fünf Formate gehörten in den 70er Jahren zur Marke Quai-d’Orsay: eher schlanke Formate mit hellen bis sehr hellen Deckblättern.

Ein glamouröser Start in Paris

Die ersten 200’000 Zigarren wurden per Flugzeug nach Paris gebracht und im SEITA-Hauptquartier eingelagert. Am 8. November 1974 fand die Einführung im weltberühmten Restaurant „Pied de Cochon“ statt – ohne Giscard d’Estaing, der mittlerweile ins Élysée eingezogen war. Zunächst waren die Zigarren ausschließlich in Frankreich erhältlich, später auch in wenigen anderen Ländern.

Quai-d'Orsay, weltbekannt und eine der berühmtesten Straßen von Paris, im 7. Arrondissement von Paris, am Rive Gauche, dem linken Ufer der Seine, zwischen der Pont de la Concorde und der Pont de l´Alma. Quai d’Orsay Geschichte
Quai-d’Orsay, weltbekannt und eine der berühmtesten Straßen von Paris, im 7. Arrondissement von Paris, am Rive Gauche, dem linken Ufer der Seine, zwischen der Pont de la Concorde und der Pont de l´Alma.

Herausforderungen und ein politisches Dinner

Ab 1989 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage in Kuba, und die Belieferung brach ein. Die inzwischen privatisierte SEITA schloss daher 1995 ein Abkommen mit Cubatabaco: Frankreich zahlte 24 Millionen Franc für Tabakproduktion und erhielt im Gegenzug Zigarren. 1996 bedankte sich Fidel Castro persönlich bei einem Dinner in Havanna.

Die Casa Matriz ist das Stammhaus, in dem die Zigarren einer bestimmten Marke, hier die der Quai-d'Orsay, gefertigt werden.
Die Casa Matriz ist das Stammhaus, in dem die Zigarren einer bestimmten Marke, hier die der Quai-d’Orsay, gefertigt werden.

Fusionen, Neustart und Wandel der Vorlieben

1999 fusionierte die SEITA mit der spanischen Tabacalera zu Altadis, die anschließend eng mit Habanos S.A. zusammenarbeitete. 2004 versuchte man, mit den klassischen Formaten einen Neustart der Marke zu wagen. Doch die Vorlieben der Aficionados hatten sich in den drei Jahrzehnten deutlich verändert, und der Versuch blieb erfolglos.

In der heutigen Partagás-Manufaktur, in der die Zigarren der Marke Quai-d'Orsay gefertigt werden, werden natürlich auch viele andere Marken produziert.
In der heutigen Partagás-Manufaktur, in der die Zigarren der Marke Quai-d’Orsay gefertigt werden, werden natürlich auch viele andere Marken produziert.

Die Renaissance von 2017

Erst 2017 erlebte die Marke ihre beeindruckende Wiedergeburt. Neue Ring- und Kistendesigns, moderne Formate mit größerem Ringmaß und ein überarbeitetes Markenbild führten zu großem Erfolg. Heute gilt Quai d’Orsay als leichte, elegante Marke mit Tabak aus der Vuelta Abajo – eine Zigarre mit subtiler Tiefe und einer faszinierenden Herkunft. All die Jahre wurden die Zigarren der Marke Quai-d`Orsay in der Romeo y Julieta-Fabrik auf der Calle Belascoain No. 852 hergestellt.  Die Casa Matriz der Marke ist heute die Partagás-Manufaktur auf der Calle San Carlos in Havanna.

Die Casa Matriz der Marke Quai-d'Orsay ist heute die Partagás-Manufaktur auf der Calle San Carlos No.816. Quai d’Orsay Geschichte
Die Casa Matriz der Marke Quai-d’Orsay ist heute die Partagás-Manufaktur auf der Calle San Carlos No.816.

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Bildnachweis

  • Claudia Puszkar
  • Antoine Bathie: “The Habano a la Francaise”, Belgium 2019, ISSN: 1254-6798
  • Gemälde: Eugène Galien-Laloue, Wikipedia

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Quellenangaben

  • Min Ron Nee:
    • “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS” / Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826

  • Orlando Quiroga: “El Habano al rojo vivo”, Havanna 2002

  • Instituto de Investigaciones del Tabaco Kuba:
    • „Die Welt der Habanos“ / Havanna 2013, ISBN: 978-959-7212-08-9

  • Adriano Martínez Rius:
    • “Habano the King” / Barcelona 1998, ISBN: 84-930387-1-7

  • Adriano Martinez Rius:
    • “The Great Habano Factories” / Barcelona 2005, ISBN: 84-609-4024-1

  • Orlando Quiroga:
    • “El Habano al rojo vivo” / Havanna 2002

  • Enzo A. Infante:
    • “Havana Cigars 1817-1960” / Neptune City 1997

  • Eumelio Espino:
    • “El Habano – De la semilla al puro en 539 pasos” / Madrid 2019, ISBN: 978-84-09-07091-6

  • Alexander Groom:
    • “El Habano Moderno” / Helios House Press 2022, ISBN: 978-911683-05-6

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