Rafael González Geschichte – Geheimnisvoller Ursprung einer britischen Ikone
Rafael González Geschichte – sie beginnt undurchsichtig, fast bewusst verschleiert, entwickelt sich im Laufe der Zeit jedoch zu einer Erzählung von höchster Qualität, profundem Wissen und bemerkenswerter Konsequenz. Der vollständige Markenname lautet La Flor de Rafael González Marquez. Der Einfachheit halber wird die Marke heute meist nur Rafael González genannt – so auch hier.
Inhaltsverzeichnis

Flor de Rafael Gonzáles Marquez: Meist nennt man die Marke heute nur noch Rafael González, sie hieß aber auch Flor de González oder Flor de Márquez. Hier gilt aber: viele Namen, eine Marke.
Verwirrend viele Namen und Schreibweisen
Die Rafael González Geschichte ist von Beginn an von unterschiedlichen Namen und Schreibweisen geprägt, wobei es sich aber stets um ein und dieselbe Marke handelt: La Flor de Rafael González Marquez, La Flor de Márquez, La Flor de González oder schlicht Rafael González.
Auch der Vorname erscheint in verschiedenen Varianten. Man findet Schreibweisen wie Rafaël, Rafael oder – wie auf dem Logo – Rafæl, wobei a und e zusammengezogen sind.

Das moderne und aktuelle Design der Flor de Rafael Gonzalez: keine verzierte Kiste mehr, sondern eine Semi Boìte-Kiste aus Naturholz.
Geheimnisvoller Ursprung: Marquis, Graf oder Grandee of Spain?
Ob es tatsächlich einen Marquis, Marquez, Grafen oder gar einen Grandee of Spain namens Rafæl González gab, lässt sich historisch nicht belegen. Konkrete Nachweise fehlen. Die einzige Quelle für seine „Existenz“ ist die Aufschrift auf der Kiste der Marke. Dort steht:
“THESE CIGARS HAVE BEEN MANUFACTURED FROM A SECRET BLEND OF PURE VUELTA ABAJO TOBACCOS SELECTED BY THE MARQUEZ RAFÆL GONZALEZ GRANDEE OF SPAIN.
FOR MORE THAN 20 YEARS THIS BLEND HAS EXISTED.”
Darunter findet sich eine schwungvolle Unterschrift mit dem Namen González sowie eine scheinbar von Hand gezeichnete kleine Krone.
Orlando Quiroga beschreibt dies treffend: Es entstehe der Eindruck, Rafael González Marquez habe den Menschen weismachen wollen, er sei ein legitimer Marquis königlichen Geblüts – wahrscheinlich sei Marquez jedoch schlicht sein zweiter Nachname gewesen.
Min Ron Nee geht ebenfalls davon aus, dass nur der Anschein erweckt werden sollte, dass die Marke von einem spanischen Aristokraten – einem Grandee of Spain – geschaffen worden sein könnte.

Von Beginn an bis vor wenigen Jahren fand man diesen Hinweis auf jeder Kiste: Man solle die Zigarren entweder innerhalb eines Monats oder aber erst nach ein paar Jahren rauchen. Das gilt nicht nur für die Zigarren der Marke Rafael González.
Only for Britain – und offiziell registriert
Laut Min Ron Nee existiert die Marke seit 1928. Sie wurde extra für den britischen Markt geschaffen und unter dem Namen La Flor de Márquez von den beiden Briten George Samuel und Frank Warwick vertrieben.
Bereits 1936, nur acht Jahre später, wurde die Marke von der mit amerikanischem Kapital finanzierten El Rey del Mundo Cigar Company übernommen. In diesem Jahr erfolgte auch die offizielle Registrierung – nun als La Flor de González.
1940 erscheint die Marke im Exportregister als Flor de Rafaël González, weiterhin im Besitz der El Rey del Mundo Cigar Company. Seit etwa 1954 lautet der offizielle Name Rafaël González Márquez.

Das alte Design der Rafael González-Kisten: Auf dem Kistenboden steht geschrieben, dass diese Zigarren: „… BY THE MARQUEZ RAFAEL GONZALEZ GRANDEE OF SPAIN…” kreiert wurden. Außer dieser Aussage findet sich für die Existenz dieses Grafen oder Marquis jedoch kein Nachweis.
Ein wichtiger Hinweis für Kenner
Bis vor wenigen Jahren verließ jede Kiste dieser Marke Kuba mit einem besonderen Hinweis:
“IN ORDER THAT THE CONNOISSŒR MAY FULLY APPRECIATE THE PERFECT FRAGRANCE THEY SHOULD BE SMOKED EITHER WITHIN ONE MONTH OF THE DATE OF SHIPMENT FROM HAVANA OR SHOULD BE CAREFULLY MATURED FOR ABOUT ONE YEAR”
Es wird also empfohlen, die Zigarren entweder innerhalb eines Monats nach der Verschiffung aus Havanna zu rauchen oder sie rund ein Jahr lang sorgfältig zu lagern. Dieser Hinweis berücksichtigt die sogenannte Sick Period, in der sich die Tabake in jeder Zigarre miteinander verbinden und unter anderem Ammoniak abgebaut wird. Während dieser Phase kann der Geschmack vorübergehend unangenehm wirken.

Auch der Zigarrenring der Rafael González Zigarren wurde verändert, ist aber dem alten Ring, den die Formate früher trugen, immer noch sehr ähnlich.
Das Lonsdale-Format und ein echter Aristokrat
Möglicherweise war es der aristokratische Hintergrund der Marke, der Hugh Cecil Lowther, den fünften Earl of Lonsdale, in den 1930er-Jahren dazu bewegte, sich von Rafael González eine Zigarre nach seinem persönlichen Geschmack fertigen zu lassen.
Er wählte ein neues Format, das bis heute seinen Namen trägt: die Lonsdale. Dieses Format besitzt ein Ringmass von 42 bei einer Länge von 165 Millimetern. Schlank, elegant und mit einer gewissen, aber nicht übermässigen Länge – ein Format, das später von vielen weiteren Habanos-Marken übernommen wurde.
Der fünfte Earl of Lonsdale galt als grosser Gourmet, leidenschaftlicher Zigarrenliebhaber und ausgesprochen sportlich. Nach dem Ersten Weltkrieg organisierte er internationale Pferderennen und Segelregatten. Mit diesem Format bleibt sein Name im öffentlichen Bewusstsein und lebt fort.

Der 5. Earl of Lonsdale, Hugh Cecil Lowther, ließ sich eine eigene Zigarre kreieren und setzte seinem Namen mit einer Formatbezeichnung, nämlich Lonsdale, ein Denkmal.
Eine berühmte Fabrik mit vielen Namen
Seit den 1940er-Jahren befand sich die Manufaktur der Marke an der Calle Belascoain Nr. 852. Eigentümer war die El Rey del Mundo Cigar Company. Wie die Marke selbst trug auch diese Fabrik im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Namen.
Ältere Habanesen nannten sie die Rey del Mundo-Fabrik. Später wurde sie als Romeo y Julieta-Fabrik bekannt, vermutlich ab den 1980er-Jahren. Heute befindet sich in diesem Gebäude die H. Upmann-Manufaktur.

Die Zigarren der Marke Rafael Gonzalez wurden über Jahrzehnte, spätestens seit 1940, in dieser Fabrik auf der Calle Belascoain No.852 hergestellt.
High Potential und enge Verbindungen
Die Rafael González Geschichte ist eng mit der Marke El Rey del Mundo verbunden. Beide gelten als Geschwistermarken, auch wenn sie sich geschmacklich und in ihrer Stärke unterscheiden.
Rafael González wird ein hohes Reifepotenzial bescheinigt. In den 1960er- und 1970er-Jahren galt die Marke – ebenso wie El Rey del Mundo – als High-End-Habanos. Zino Davidoff äusserte seinerzeit, eine Rafael González dürfe im Inventar eines ernsthaften Rauchers keinesfalls fehlen.

Die Fabrik, in der die Zigarren der Marke Rafael González hergestellt wurden auf der Calle Belascoain No.852. Diese Fabrik war die El Rey del Mundo-Fabrik, danach die Romeo y Julieta-Fabrik und jetzt ist sie die H.Upmann-Fabrik.
Hier finden Sie die Rafael González Manufaktur
Falls die Live-Mappe nicht funktioniert, klicken Sie bitte hier zur Rafael González Manufaktur.
Bildnachweis
- Claudia Puszkar
- Gemälde Hugh Cecil Lowther by Sir John Lavery, 1930: Wikipedia
- Habanos S.A.
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Quellenangaben
- Min Ron Nee:
- “AN ILLUSTRATED ENCYCLOPAEDIA OF POST-REVOLUTION HAVANA CIGARS” / Hong Kong 2003, ISBN: 978-3980930826
- Orlando Quiroga: “El Habano al rojo vivo”, Havanna 2002
- Instituto de Investigaciones del Tabaco Kuba:
- „Die Welt der Habanos“ / Havanna 2013, ISBN: 978-959-7212-08-9
- Adriano Martínez Rius:
- “Habano the King” / Barcelona 1998, ISBN: 84-930387-1-7
- Adriano Martinez Rius:
- “The Great Habano Factories” / Barcelona 2005, ISBN: 84-609-4024-1
- Orlando Quiroga:
- “El Habano al rojo vivo” / Havanna 2002
- Enzo A. Infante:
- “Havana Cigars 1817-1960” / Neptune City 1997
- Eumelio Espino:
- “El Habano – De la semilla al puro en 539 pasos” / Madrid 2019, ISBN: 978-84-09-07091-6
- Alexander Groom:
- “El Habano Moderno” / Helios House Press 2022, ISBN: 978-911683-05-6
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